Organisationsentwicklung

Müssen wir Führung komplett neu denken?

In seinem neuesten Buch „Gehirnwäsche trage ich nicht: Selbstbestimmt leben und arbeiten“ stellt der Bestsellerautor und Leadership-Vordenker Reinhard K. Sprenger den Status quo der Managementpraxis in Frage. Sprenger argumentiert, dass Führung fixe Methoden benötigt und nicht aufgesetzten Sinn, Visionen oder einen Purpose. Er bietet eine Reihe von provokativen, aber durchdachten Argumenten, die zum Nachdenken anregen.
 

Sprengers Thesen zur Führung

 

  1. Manager brauchen Entscheidungsfreiheit
Es gibt keine „richtige“ Entscheidung, die im Voraus bekannt ist. Manager müssen in der Lage sein, Entscheidungen zu treffen, die auf unvollständigen Informationen basieren und mit Unsicherheit behaftet sind.
 
  1. Manager müssen ihrem Unternehmen dienen, nicht der Gesellschaft
Sprenger stellt fest, dass es absurd ist, von Managern zu verlangen, dass sie das ihnen anvertraute Geld zugunsten der Gesellschaft statt zugunsten des Unternehmens einsetzen.
 
  1. Es gibt kein gesichertes Wissen darüber, welche Art von Führung Erfolg hat:
Sprenger zitiert das „Evergreen-Projekt“ von Harvard-Professor Nitin Nohria. Dieses hat gezeigt, dass es keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen den Eigenschaften von Führungskräften und dem Unternehmenserfolg gibt. Was benötigt wird, ist ein Rahmen, der es Managern ermöglicht, ihre Führungsrolle frei und ohne Hindernisse wahrzunehmen, da eine Normierung von Führung als unsinnig angesehen wird.
 
  1. Manager sollen Mitarbeitende ermächtigen, nicht bevormunden
Die Behauptung, dass Führungspersonen eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Untergebenen haben, impliziert, dass diese bedürftig sind und nicht als Individuen mit unterschiedlichen Fähigkeiten gesehen werden. In der heutigen Arbeitswelt begegnen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf Augenhöhe, es gibt kein klares Machtgefälle, und daher verdienen Arbeitnehmer Respekt, Distanz und Achtung, nicht Bevormundung. Es ist wichtig, zwischen einer Fürsorge, die bevormundet, und einer Fürsorge, die ermächtigt, zu unterscheiden.
 
  1. Innovationen sucht man in großen Organisationen meist vergeblich
Unternehmen leiden oft an „unternehmerischem Autismus“, indem sie starr an ihrem Kurs festhalten und Innovationen ignorieren, bis sie kurz vor dem Scheitern stehen. Um individuelle Lösungen für Kunden anbieten zu können, müssen Unternehmen ihre Strukturen flexibler und dezentraler gestalten, starre organisatorische Barrieren abbauen und Führungskräfte einsetzen, die nach Erfolg statt nach Macht streben.
 
  1. Die beste Führungspersönlichkeit ist diejenige, die sich mit Aktivismus so weit wie möglich zurückhält
Sprenger: „Platon nannte jenen den wahren Führer, der seine Aufgabe lustlos erledigt. Richtig gelesen: lustlos. Andernfalls sei er anfällig für Leidenschaften aller Art, was ihn launisch und daher unberechenbar mache.“ Großspurige „Visionen“ und aufgezwungene Ideale bezeichnet Sprenger als Augenwischerei, „… viel wichtiger ist es, Dinge zu vermeiden: nämlich das Schlechte, den Schmerz, den Schaden. Wenn man sich an diese „positive Kraft des negativen Denkens“ hält, also das Unheil vermeidet, bekommt das Gute Raum, um sich zu entfalten. Wer Schlechtes vermeidet, muss sich keine Gedanken darüber machen, was das Richtige wäre. Die beste Führungspersönlichkeit ist diejenige, die sich mit Aktivismus so weit wie möglich zurückhält.“
 
  1. Wenn Arbeit anderen Menschen dient, hat sie automatisch einen Sinn
Viele Unternehmen sehen sich heute als „Purpose-Driven Companies“ und streben nach höheren Zielen als nur der Kundenzufriedenheit. Jedoch argumentiert Sprenger, dass Arbeit, die anderen dient, bereits einen Sinn hat und kein übergeordneter Purpose notwendig ist. Er betont, dass Sinn eine Privatsache ist und jeder Mitarbeiter unterschiedliche Möglichkeiten haben sollte, seinen persönlichen Sinn zu finden.
 
  1. Die Gehälter von Managern sind maßlos überzogen
Unternehmertum unterscheidet sich vom Management durch das Eigentum und das damit verbundene Risiko, das der Unternehmer trägt. Sprenger kritisiert die hohen Gehälter von Managern, die kein eigenes Kapital einbringen. Die Diskussion um Managergehälter und die Tatsache, dass diese oft horizontal auf internationaler Ebene verglichen werden, anstatt innerhalb der eigenen Kultur, wird als schädlich für das gesellschaftliche Vertrauen angesehen.
 
  1. Führung braucht es erst in der Krise, ansonsten reicht Management
Eine Führungskraft benötigt sowohl Managementfähigkeiten als auch die Fähigkeit, Menschen zu führen, wobei Führung besonders in Krisenzeiten wichtig wird. Sie muss in der Lage sein, bei Zielkonflikten zu entscheiden, strukturelle Probleme zu lösen und mit der Ambiguität unserer Zeit umzugehen. Um erfolgreich zu sein, muss eine Führungskraft das Vertrauen ihrer Mitarbeiter gewinnen, was durch das Anbieten von etwas, das die Mitarbeiter wirklich wollen, und nicht durch autoritäres Verhalten erreicht wird.
 

Fazit

Sprenger bietet eine frische und provokative Perspektive auf die Managementpraxis. Er hinterfragt gängige Annahmen und fordert die Leser auf, über die Rolle und Verantwortung von Managern nachzudenken. Seine Argumente regen zum Nachdenken an und bieten wertvolle Einblicke für alle, die sich für Führung und Management interessieren.
 

Zum Buch

Reinhard K. Sprenger: Gehirnwäsche trage ich nicht. Selbstbestimmt leben und arbeiten.
Campus, 2023
 

Jetzt die ersten Schritte tun

Für alle, die von Sprengers Ansichten inspiriert sind und ihre Führungsfähigkeiten weiterentwickeln möchten, bieten wir eine breite Palette an relevanten Dienstleistungen an. Dazu gehören individuelle Beratung, Führungskräfteentwicklung und Organisationsentwicklung, die alle darauf abzielen, Führungskräfte dabei zu unterstützen, effektiver und selbstbestimmter zu arbeiten.
Beitragsinfos:

AutorIn:
Helga Steiner

Veröffentlicht am:
28. November 2023

Zuletzt geändert am
13. Februar 2024 um 16:52 Uhr

Kategorie:
Organisationsentwicklung

Schlagwort(e):
Buchtipp, Führung, Kultur, Zusammenarbeit

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